Blabla

10.05.2021 Heidi und das Geld


Neueste Studien zeigen: Geld macht doch Glücklich! Und zwar ohne Obergrenze. Je mehr Geld, desto glücklicher. Das ist eine wissenschaftliche Studie - sie wird hier nicht kritisiert! Dieser Logik folgend, bin ich ein eher unglücklicher Mensch. 


Warum bin ich knapp bei Kasse? Dazu habe ich von finanziell erfolgreichen Leuten folgende Information: Wer nichts leistet, hat keine Kohle. Wer sich anstrengt hat finanziellen Erfolg! Sollte es dennoch nicht klappen, hat er sich nicht richtig angestrengt. Dieser Logik folgend, bin ich ein eher fauler Mensch.


An dieser Stelle braucht meine Seele erst mal ein beruhigendes Bild vom Wald.

Überall auf der Erde gibt es Menschen, die sich maximal anstrengen. Das Ergebnis all ihre Mühen ist lebensbedrohende Armut. Anstrengung und glücksbringender finanzieller Erfolg korrelieren für sehr viele Menschen offensichtlich nicht. Ich finde da läuft eindeutig etwas schief, aber was? - das weiß ich nicht - ich lausche lediglich den Erklärungen anderer.


Meine Rolle als alleinerziehende Mutter zwischen Haushalt, Teilzeitjob und den verschiedenen Nebenjobs, forderte mich häufig bis ans Limit. Ich strengte mich maximal an um allen Aufgaben gerecht zu werden. Nicht nur den finanziellen. Von den Vätern gab es immerhin Kindesunterhalt. Für unseren „Luxus“ fühlten sie sich nicht zuständig. Für Zeit mit den Kindern auch nicht. Für meine Rente war ich bis jetzt alleine verantwortlich. Durch meine Bemühungen um das liebe Geld konnten wir uns ein paar bescheidene Wünsche erfüllen. Ich bin eine stolze und glückliche Mutter. Außerdem war ich einige Jahre mit Reinhold sehr glücklich. Mehr Geld hätte uns beide nicht glücklicher machen können. Mehr gemeinsame Lebenszeit schon. Wie bereits erwähnt, starb Reinhold an seinem Tumor. 


Im Jahr danach wurde meine Stelle bei der Bank abgebaut. Es hieß ich sei im Überhang. Eine weitere Säule meines Lebens bröselte. Ich sollte „freiwillig“ überlegen wie es weiter geht. Tue ich das nicht, würde sich mein Arbeitgeber etwas einfallen lassen (nach dem Motto: bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt). Es gab folgende Möglichkeiten: Bewerbung, Abfindung, Vorruhestand oder Altersteilzeit. Ich unterschrieb letzteres. Das ist ein finanzielles Fiasko, mit berechenbarem Risiko: meine Rente fällt entsprechend niedrig aus. Für meinen Arbeitgeber ist die Welt in Ordnung. Er hat mich sozial verträglich abgebaut und meine Entscheidung war völlig freiwillig. 


Für mich sieht die Szene so aus: (damit ihr versteht was ich meine, könnt ihr euch eine sportliche Kletterin im Überhang vorstellen) Durch alle vorherigen Anstrengung hänge ich bereits völlig erschöpft im Überhang. Für einen beruflichen Neuanfang fehlt mir leider die Kraft. Bewerbung oder Abfindung kommt also nicht in Frage. Für den Vorruhestand bin ich zu Jung. (Unsere Kletterin erreicht die großen Griffe nicht) Bevor sich mein Arbeitgeber eine noch unangenehmere Lösung einfallen lässt, beiße ich in den sauren ATZ-Apfel. (nun hat sie eine kleine felsige Schuppe gefunden und klammert sich daran fest) Wieso ist dieser Apfel sauer? Finanziell bin ich durch meinen Teilzeitjob schon immer lediglich mit einem Bindfaden gesichert. Dieser Vertrag verschlechtert meine monetäre Situation weiter. (sie kann nicht mehr, ihre Hände gehen auf, sie verliert den Halt) Wenn nun, wie zu erwarten ist, der Bindfaden reist, stürze ich dann unweigerlich ins Unglück, weil man mit wenig Geld nicht glücklich sein kann?


Das weiß ich nicht! Sich für Geld maximal anstrengen, war in meinem Leben jedenfalls eine Sackgasse! Wenn Glück mit Geld korreliert gibt es aus meiner Sicht nun zwei Möglichkeiten. Entweder der Zufall beschenkt mich (wie schon viele Andere) ganz ohne Anstrengung mit dem angeblichen Glücksbringer, oder ich lerne fliegen. Letzteres macht mich neugierig.


Von Philosophen gibt es neue Ideen, wie man das vorhandene Geld gesellschaftlich würdevoll umverteilen könnte. Der Logik der eingangs erwähnten Studie folgend, wären dann die meisten Menschen glücklich. Ich finde diese Ideen schön, aber die alten Philosophen protestieren vehement. Sie sagen: ihre Wirtschaftsweise macht Geld komplett überflüssig. Hm... und jetzt? Das ist ganz einfach: erstens wären bei der Bank dann alle Stellen im Überhang und zweitens braucht man für diese Situation lediglich eine neue wissenschaftliche Studie.