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Home-Office, bist du wichtig oder unwichtig?


Ich arbeite bei einem systemrelevanten Unternehmen. Wegen der Corona-Pandemie entschieden sich sehr viele KollegInnen für Home-Office. Da die Digitalisierung nicht auf so viele Leute im Home-Office vorbereitet war, machte die EDV schlapp. Ein neu gebildeter Krisenstab suchte nach einer Lösung. Wir wurden folgendermaßen informiert: Die wichtigen Leute sollten von zu Hause arbeiten, die unwichtigen sollten an den Arbeitsplatz kommen. Ups… was ist denn das für eine unkluge Entscheidung? Die Unwichtigen sind auch bei uns in der Überzahl. So weit ich weiß sollen wegen der Pandemie Menschenansammlungen vermieden werden. Ich verstehe das Problem meines Arbeitgebers, aber diesen Lösungsansatz verstehe ich nicht. 


Außerdem wollte ich letzte Woche auf keinen Fall an meinen Arbeitsplatz, weil Josef sich leider auf Corona testen lassen musste. Wir hatten das Wochenende gemeinsam verbracht und ich befürchtete nun, ich könnte das Virus bereits mit mir herumtragen. Am Arbeitsplatz hätte ich das Virus dann prima verbreiten können. Man machte mir das Angebot Gleitzeit oder Urlaub zu nehmen bis wir das Ergebnis hätten. Da die Labore überlastet sind, mussten wir einige Tage darauf warten. Ich telefonierte mit meinem Hausarzt. Ich wollte mich auch Testen lassen. Aber Menschen ohne Symptome werden nicht getestet. Die Praxis fragte: „fühlt sich die Wartezeit wie Urlaub an?“ Nein! Ich bin total durch den Wind. „dann sind sie auch nicht arbeitsfähig und darum schreibe ich sie jetzt krank.“ Josefs Test kam am Ende der Woche und war negativ. Puh…. 


Während meiner Krankmeldung tagte der Krisenstab erneut und die EDV schuftete erfolgreich an den Kapazitäten für Home-Office. Jetzt müssen die unwichtigen Leute von zuhause arbeiten und die wichtigen arbeiten abwechselnd im Betrieb. Geht doch! Bitte stört euch nicht an dieser unschönen Formulierung. Die ist von unserem Arbeitgeber nur unglücklich gewählt. Wir sind ihm natürlich alle wichtig! 

Was habe ich gelernt? Es ist auch oder gerade für unwichtige Leute, extrem wichtig selbst zu denken. Überhaupt ist das momentan eine sehr lehrreiche Zeit. Sicher kennt jeder die Schneeball-WhatsApp mit den schwimmenden Delfinen in Italiens Häfen. Nein? macht nix. Es könnte sein, dass uns diese Zeit wachrüttelt, war darin zu lesen und wir dann besser unsere Zukunft gestallten. Oh ja! Bitte ja! Ein globales, soziales und nachhaltiges Wachrütteln. Das wäre mal was. Ich bin dabei.


In unserer Gruppe wurde über diese Schneeball-Nachricht angeregt diskutiert. Ein Teilnehmer stellte irgendwann die durchaus sinnvolle Frage: Braucht es für alle diese Vorteile, die wir angeblich momentan lernen, wirklich eine Pandemie? Er bekam auch gleich von unserer Psychologin im Verteiler eine Antwort: sie fürchtet ja. Oder es braucht einen Krieg. Aber da wäre eine Pandemie ja das kleinere Übel. Oh… Ich dachte die Menschen werden durch die Sitzungen beim Psychologen schlau. Habe ich mich da getäuscht? Krieg jedenfalls scheint die Menschen nachhaltig zu traumatisierten. Sind sie dadurch in der Lage ihre Zukunft besser zu organisieren?


Naja… wie dem auch sei… und weil ich mir nichts sehnlicher wünsche, bleiben wir am besten alle gesund, dann können wir hinterher die Welt mit unseren gewonnenen Weisheiten besser machen oder sogar retten. Und ich sitze im Home-Office endlich mal artgerecht und gemütlich, wenn ich für das System arbeite.

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